Der Kopf in der Glocke

Unterricht in der Kunsthalle Hense

Gescher. Normalerweise sind Museen am Montag geschlossen. Für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Gescher machte der Kunstsammler Frank Hense aber nun eine Ausnahme. Der Wahlpflichtkurs „Darstellen und Gestalten“ der Jahrgangsstufe 7 unter Leitung von Studienrat Hendrik Lange war die erste Schülergruppe, die das neue Museum in einem Unterrichtsgang entdeckte.

Es stand keine klassische Führung durch die Sammlung auf dem Programm, sondern die Lernenden setzten sich mit einem Kunstwerk intensiv auseinander. Nach dieser Begegnung mit dem Kunstwerk präsentierten sie den anderen ihr Werk in einer szenischen Vorstellung. So führten sie fiktive Interviews mit dem Künstler oder ließen die Figuren in einer kleinen Szene lebendig werden. Lehrer Lange erklärte: „Wichtig ist die genaue Beobachtung eines Kunstwerkes und die Wahrnehmung von Stimmungen und Gefühlen.“ So deutete die Schülerin Mia das Werk von Gil Shachar, ein menschlicher Kopf in einer Glocke, als „ein Zeichen für den Alltag. Der Mensch dreht sich um sich und kommt nicht raus.“ Und beim Wimmelbild „Beach“ von Jan de Vliegher schlüpften Jolie, Joy und Linus in die Rolle von Strandbesuchern, deren Haltungen und Bewegungen sie übernahmen.

Fasziniert waren die Schüler, als Herr Hense die Figur eines Jungen umdrehte. Nick fand: „Der Junge sah traurig aus, jetzt sehen wir, dass er ein Loch im Rücken hat, fast so, als ob seine Seele verschwunden wäre.“ Zeitgenössische Kunst – wie die von Gerhard Demetz – kann sehr wohl Jugendlichen etwas sagen. Und die Schüler haben gelernt, dass es nicht nur eine Botschaft oder Lesart gibt. Auch die Videoprojektion von Shana Levy faszinierte eine Schülergruppe. Ein Mädchen sagte: „Ich wusste nicht, dass man Fotos und Videos in einem Kunstmuseum zeigt.“

Lehrer Lange dankte nicht nur dem Ehepaar Hense für die Bereitstellung dieses außergewöhnlichen außerschulischen Lernortes, sondern ebenso der Kuratorin Jutta Meyer zu Riemsloh: „Durch dieses Engagement bekamen die Schüler einen neuen Blick auf die Kunst und damit auf das Leben.“

Als Dankeschön hatten die Mitglieder der Lerngruppe Bilder gemalt oder kleine Geschichten geschrieben – natürlich passend zum Thema „Glocke“. Herr Lange hofft: „Das Museum ist eine echte Bereicherung für Gescher. Mögen noch viele Schulklassen, aber auch Familien, den Weg in die Kunsthalle finden. Denkbar wäre zum Beispiel, dass Gesamtschüler Grundschülern die Ausstellung näher bringen.“