Soziales Lernen im Fokus der Gesamtschule

Über 100 Eltern beim Informationsaben

Gescher. Die Gesamtschule hatte zu einem Informationsabend zum Thema „Soziales und emotionales Lernen in der Schule“ eingeladen,das Interesse bei den Eltern war groß. Viele Eltern wissen aus eigener Erfahrung, dass neben einer guten Ausbildung auch noch andere Fähigkeiten für das Berufsleben, aber auch für das Leben in Familie und Nachbarschaft wichtig sind: die Lebenskompetenzen. Sie wurden schon 1986 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt als Fähigkeiten, die Menschen helfen, mit den kleinen und großen Belastungen und Herausforderungen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens klarzukommen. Dazu gehören zum Beispiel die kommunikative Kompetenz (sich so ausdrücken, dass andere mich verstehen und anderen zuhören, um sie zu verstehen), die Beziehungskompetenz (Freundschaften schließen, Beziehungen eingehen und auch mit Schwierigkeiten in Freundschaften oder Beziehungen gut umgehen) oder Problemlösekompetenz (Probleme nicht durch Macht oder Gewalt lösen, sondern durch Verhandeln, Kompromisse schließen können).

 

Eine wichtige Frage ist nun, wo Menschen diese Fähigkeiten lernen können. Dazu braucht man vor allem möglichst vielfältige Erfahrungen im Umgang mit echten Menschen (nicht mit Computerspielen) und mit echten Gefühlen. Kinder und Jugendlichen lernen weniger durch Ermahnungen oder Kritik Erwachsener, sondern mehr und lieber durch das Zusammensein mit vielen verschiedenen Gleichaltrigen. Und damit das nicht nur vom Zufall abhängt, setzen viele Hundert Schulen in Deutschland Programme zum sozialen und emotionalen Lernen ein, auch die Gesamtschule Gescher. Damit die Eltern sich einen Eindruck verschaffen können, wie solche Programme funktionieren, hat die Gesamtschule Heiner Wilms eingeladen, der selbst bis Anfang der 90er Jahre Lehrer an der Realschule Gescher war. Er arbeitet seit über 20 Jahren als Autor und Trainer sozialer Trainingsprogramme in ganz Deutschland und darüber hinaus.

 

In einem lebhaften Vortrag begründete er, wie sinnvoll und notwendig das soziale Lernen in festen Gruppen mit großer Vielfalt ist. Die ideale Gruppe ist dabei eine Schulklasse, weil die Schülerinnen und Schüler über viele Jahre zusammenbleiben und weil sie in einer Klasse mit vielen verschiedenen Jungen und Mädchen Erfahrungen sammeln können, wie sie mit den unterschiedlichen Menschen gut umgehen können.

 

Es blieb aber nicht beim Vortrag. Nach zwei kurzen Übungen haben alle Eltern eine Beispielaktivität aus dem Lions-Quest Programm „Erwachsen werden“ kennen gelernt. Sie haben sich anhand von Fallbeispielen in Gruppen darüber ausgetauscht und meistens auch geeinigt, in welchem Alter Kinder bestimmte Aufgaben oder Verantwortungen zu Hause übernehmen sollten, z. B. sein Zimmer selbstständig aufräumen oder selbst bestimmen, wann sie ins Bett gehen oder für sich selbst ein Mittagessen kochen, wenn die Eltern nicht da sind. Diese Aufgabe war so spannend, dass viele Gruppen nicht fertig geworden sind. Einige haben die Ergebnisse auch mit ihrem Smartphone fotografiert, um zu Hause in der Familie die Diskussion fortzusetzen.

 

Für die Gesamtschule Gescher hat das soziale Lernen und Miteinander eine große Bedeutung. Deswegen hat die Schule ein professionelles Konzept entwickelt, wie sie den Schülerinnen und Schülern vielfältige soziale Erfahrungen ermöglicht, die sie für das Zusammenleben und Lernen in der Schule und im späteren Leben gut vorbereiten nach dem Grundsatz: „Uns ist wichtig, dass alle Schülerinnen und Schülerlernen, respektvoll mit sich und mit den vielen unterschiedlichen Menschen in der Klasse und in der Schule umzugehen. Deswegen verwenden wir regelmäßig eine kleinen Teil unserer wöchentlichen Lernzeit für die gezielte Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen für ein respektvolles Miteinander.“

 

Davon konnten sich die Eltern an diesem interessanten Abend einen umfangreichen Eindruck verschaffen.