„Lernen ist eine Dauerbaustelle“

„Lernen ist eine Dauerbaustelle“ – so lautet ein

pädagogischer Leitsatz der renommierten Schule „Institut Beatenberg“ in der Schweiz, die für viele andere Schulen – auch in Deutschland – in den letzten Jahren ein Leuchtturm einer neuen Lernkultur und schülerorientierter Unterrichtsentwicklung geworden ist.

 

Fit for life heißt die Devise: Die Schule soll die Lernenden in die Lage versetzen, den Herausforderungen des Lebens optimistisch zu begegnen und sie erfolgreich zu meistern. Damit verschiebt sich der Akzent von der Wissensvermittlung zur eigenständigen Gestaltung von Lernprozessen. Statt nur Abschlüsse zu erlangen sollen die Schülerinnen und Schüler anschlussfähig werden im Hinblick auf künftige Lebenssituationen und Anforderungen.

 

Die neue Gesamtschule Gescher beschreitet seit dem letzten Jahr ebenfalls neue Lernwege und hat das selbstgesteuerte Lernen (SegeLn) fest in den Stundenplan integriert. Viele Neuerungen sind bei Schülern, Eltern und Lehrern gut angekommen. Gleichzeitig begreift sich die Schule als lernende Organisation. Zwei Lehrerinnen, Nicole Schlüter-Franke und Ellen Wilms, reisten vom 7. bis 11. Februar in die Schweiz, um das pädagogische Konzept des Instituts Beatenberg näher kennenzulernen und weitere Anregungen für die Entwicklung ihrer Schule zu erhalten. Den Anstoß dazu hatte die Bezirksregierung Münster gegeben.

 

In Beatenberg kamen Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Schulformen aus verschiedenen Bundesländern, vor allem Hessen und Baden-Württemberg, zusammen – die Gescheraner Lehrerinnen gehörten zu den am weitesten Gereisten. Bei der Festlegung von Arbeitsthemen wurde ihnen schnell deutlich, dass sie mit dem Konzept des SegeLns einen innovativen Ansatz vertreten und damit an der Gesamtschule Gescher gute Grundlagen gelegt haben.

 

Der Institutsleiter Andreas Müller stellte in seinen Vorträgen das Konzept seiner Schule und des auf Selbstwirksamkeit orientierten Lernens vor. Nun hieß es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, diese Impulse für die eigene Schule anzupassen und in das jeweilige pädagogische und didaktische Konzept zu integrieren. Bei der Gruppenarbeit in den Lernteamräumen des Instituts konnten sie Einblick in die Lernmaterialien nehmen, sich mit der Formulierung von anspruchsvollen und motivierenden Aufgaben auseinandersetzen, Kompetenzportfolios sichten u. ä.

 

Die Ergebnisse ihrer Arbeit in Beatenberg stellten Nicole Schlüter-Franke und Ellen Wilms in einer Teamsitzung dem Kollegium vor und zur Diskussion. Die Arbeit mit Kompetenzrastern fand viel Interesse; ihre Umsetzung soll in den Fachkonferenzen als längerfristiges Projekt weiter verfolgt werden. Ein erster Schritt dazu ist die entsprechende Formulierung schulinterner Curricula für die verschiedenen Fächer. Weiterhin sollen die Verknüpfungen von Fach- und SegeL-Unterricht verstärkt werden. Eine weitere Aufgabe besteht darin, die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler noch besser durch stetige Begleitung und Beratung in erfolgreiche Bahnen zu lenken. Dazu wird auch der Begleiter beim SegeLn, das Logbuch, zum neuen Schuljahr überarbeitet. Auch Impulse für die Entwicklung der Schulkultur nahmen die Teilnehmerinnen mit, z. B. für die Gestaltung von Projekttagen.

 

„Die mitgebrachten Impulse sind  gut aufgenommen worden“, zeigen sich der Schulleiter, Bernd Manemann-Kallabis, und die beiden Lehrerinnen erfreut. Dem Kollegium der Gesamtschule Gescher ist klar: Lernen ist eine Dauerbaustelle – und Schule ist es auch!